ich mags

ich mags, wenn meine Süße
ihr Haar und gegen den Strich
bindet ihr Banditentuch ans Geländer
läßt die Züge entgleisen
wenn der Wind ihren Rock
und der Flieder des Himmels am Abend
wenn Ozelote
unter ihren Achseln schleichen

ich mags, wenn meine Süße
ihr Herz und gegen den Strich
hängt ihr Kleid in die Nacht
läßt die Flugzeuge abwärts schauern
wenn der Mond den Samt ihrer Haut
und die Amsel ihr Lied singt
wenn Kopfgeldjäger
hinter ihren Wimpern lauern

ich mags, wenn meine Süße
ihren Kopf und gegen den Strich
kickt die Schuhe in Eck, löscht die Feuer
läßt die Schiffe versinken
wenn der Regen ins Gras und die Augen
so müd und der Schlaf fällt
wenn Büffel und Gnu an ihrer
dunklen Quelle trinken

wir sind ubu

wenn sich das ubu
sanft
auf meinen knien wiegt

und auf dem monitor
der nacht
noch kalt die asche liegt

wenn blau
die müdigkeit
um meine augen rändert

und sich
ganz still
mit deiner müdigkeit verbändert

dann wünscht ich mir
ein aufgespannter regenschirm
zu sein

und daß es regnet
denn dann schläft
das ubu ein

das Glas der Wirklichkeit

die Welt ist ein wundersamer Ort, heißt es. ich kann das nur bestätigen, wenn ich im Dämmerlicht am Fenster stehe und auf den Blücherplatz hinunterschaue. die Fenster im chemischen Untersuchungsamt sind dann immer gelb wie Kamillentee, auch singen Amseln schön, und Hartriegel und Schneeball sind lieblich anzuschauen gegen den milchblauen Abendhimmel. mir ist dann manchmal so, als wäre ich nur hierher gestellt, um dem Begehren eines Anderen sichtbaren Ausdruck zu verleihen, eines Mannes vielleicht, der in meiner Küche sitzt und diese Sätze schreibt. und ich wäre nichts als die zerebrale Silhouette, die im dunklen Wortlicht seines Verlangens aufscheint.
jetzt geschieht aber etwas. eine Frau nämlich betritt den schwarzen Hof meiner Pupille. wer ist sie? warum zögert sie? ich weiß es nicht. sie ist wohl auch nur stehen geblieben, um dem Gesang der Amseln zu lauschen. und so vertieft ist sie in ihr liebliches Lied, daß sie meine ferne Nähe nicht einmal erahnt. also auch nicht bemerkt, wie ich leise das Fenster öffne und mich zu ihr hinausbeuge.
wenn sich jetzt aber ein winziger Aschenkegel von meiner Zigarette löste und vier Stockwerke tiefer weich in deiner Halsgrube landete, würde dann das Glas der Wirklichkeit zerspringen?

verwandlungen

was sich als Wunder
morgens aufschlägt in deinem Gesicht
trägt bereits die Farben des Vergessens

du saugst den wilden Honig der Nacht
aus dem verkohlten Leib einer Eidechse

nur einen Herzschlag tief
haben die Sterne ihre Kinder ausgesetzt

dies ist die erste Verwandlung

in der sinnquere

welcome to the kinderteller
hello to the horse

in der sinnquere
und nur um haaresbreite
dem eigenwillen entrückt

enthüllt sich dir manchmal
das granatapfelwunder
deiner herkunft

daß dich augen sehen
und zungen schmecken
bist du

und die eingrenzungen
die dir widerfahren
denken sich nicht am offenen fenster

wenn das glück durch die straßen stolpert
wie ein rudel rehe
auf dem mond

hu.t ab
the big bang